{"id":260,"date":"2020-05-05T17:30:32","date_gmt":"2020-05-05T15:30:32","guid":{"rendered":"https:\/\/ilmuenster.noblogs.org\/?p=260"},"modified":"2020-05-05T17:30:32","modified_gmt":"2020-05-05T15:30:32","slug":"redebeitrag-der-il-muenster-bei-der-kundgebung-zum-1-mai-2020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ilmuenster.noblogs.org\/?p=260","title":{"rendered":"Redebeitrag der IL-M\u00fcnster bei der Kundgebung zum 1. Mai 2020"},"content":{"rendered":"<p>Heute ist der 1. Mai, ein wichtiges Datum f\u00fcr viele Menschen, die sich den K\u00e4mpfen um Gerechtigkeit, gegen Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung verpflichtet f\u00fchlen. Und wie an jedem 1. Mai sind wir wieder auf der Stra\u00dfe, um an die vergangenen K\u00e4mpfe zu erinnern, aber auch die heutigen Missst\u00e4nde anzuprangern und dazu aufzurufen, sich im Kampf gegen Ungerechtigkeit weiter zu engagieren.<\/p>\n<p>Und doch ist heute nichts wie immer: Seit Wochen h\u00e4lt die Corona-Pandemie die Welt in Atem. Wenn wir die Nachrichten sehen oder in die Zeitung schauen, geht es fast nur noch um Ansteckungszahlen, Maskenpflicht, Hoffnung auf den Impfstoff und Zahlen von Erkrankten, Toten und Genesenen. Die Angst geht um, Angst um das nackte \u00dcberleben, aber auch Angst vor der Erkrankung, vor dem Verlust von Menschen, die wir lieben. Angst vor Arbeitslosigkeit und Verarmung, vor den Auswirkungen sozialer Distanz und dem Verlust unserer sozialen Kontakte, von Kollektivit\u00e4t und Gemeinschaft.<\/p>\n<p>All diese \u00c4ngste sind nicht neu, sie sind seit jeher Teil unseres Lebens in diesem System, das wir Kapitalismus nennen.<br \/>\nHeute erinnern wir und rufen erneut auf zum Kampf gegen dieses System. Dieser Kampf war und ist einer gegen all diese \u00c4ngste, die dieses kapitalistische System hervorbringt und mit denen es uns beherrscht.<!--more--><\/p>\n<p>Nichts an der Corona-Pandemie ist nat\u00fcrlich oder schicksalhaft: Bereits ihre Entstehung hat damit zu tun, wie die r\u00fccksichtslose Umweltzerst\u00f6rung Lebensr\u00e4ume vernichtet, so dass Viren viel leichter auf den Menschen \u00fcbertragen werden k\u00f6nnen. Sie trifft nicht alle gleich, auch wenn sie alle bedroht: Aber es macht einen gro\u00dfen Unterschied, ob man auf der einen Seite \u00fcber gro\u00dfe Wohnanlagen und G\u00e4rten verf\u00fcgt, materiell gut versorgt ist, sich nach Belieben zur\u00fcckziehen kann und Zugang zu guter medizinischer Behandlung hat. Oder auf der anderen Seite in sozial und wirtschaftlich schwierigen Verh\u00e4ltnissen lebt, die es verunm\u00f6glichen sich zu sch\u00fctzen. So wie es den meisten Menschen weltweit geht. Diese Unterschiede macht die Corona-Pandemie in aller Brutalit\u00e4t offenbar. Und sie spitzt diese Unterschiede weiter zu.<\/p>\n<p>Auf diesen Unterschieden beruht das kapitalistische System, in dem wir leben: die Armut der einen ist die Voraussetzung des Reichtums und der Profite der anderen. Die Konkurrenz zwischen den einzelnen auf dem Markt, wie zwischen den Staaten auf dem Weltmarkt strukturiert das kapitalistische System und verhindert Solidarit\u00e4t mit allen Menschen gleicherma\u00dfen. Auch jetzt. Oder gerade jetzt.<\/p>\n<p>Der 1. Mai erinnert uns daran, dass das nicht so bleiben muss. Er ruft zu einer Solidarit\u00e4t unter denen auf, die unter diesem System leiden &#8211; einer Solidarit\u00e4t, die nicht einfach ein Gef\u00fchl ist. Sondern eine Solidarit\u00e4t die Formen der Organisierung hervorbringt f\u00fcr ein besseres Leben f\u00fcr alle. Unsere Angst k\u00f6nnen wir nur gemeinsam \u00fcberwinden. Um das k\u00e4mpfen, was ein Leben in W\u00fcrde ausmacht, k\u00f6nnen wir nur zusammen.<\/p>\n<p>Das eben ist das T\u00fcckische an diesem Coronavirus sowie dem Umgang mit ihm: dass diese Formen des Gemeinsamen bedroht sind.  Und dass die Herrschenden diese Bedrohung nutzen, um uns noch mehr in die Isolation und die Vereinzelung zu treiben, uns einzureden, dass wir uns am besten nur um unser eigenes Wohlergehen und das unserer Familie zu k\u00fcmmern haben.<\/p>\n<p>Die Botschaft des 1. Mai ist eine andere: In unseren K\u00e4mpfen geht es um uns alle &#8211; und damit um alles. Nicht nur um das blo\u00dfe \u00dcberleben, sondern um Leben, das diesen Namen verdient. Um Leben in Gerechtigkeit und Solidarit\u00e4t, um Freiheit und Gleichheit aller. Um an einer M\u00f6glichkeit solchen Lebens festzuhalten, haben wir uns heute hier versammelt, Corona zum Trotz. Weil wir wissen, dass ein solches Leben uns nicht vom Schicksal zuf\u00e4llt oder gew\u00e4hrt wird. Es muss von uns allen gemeinsam erk\u00e4mpft werden!<\/p>\n<p>Daran wollen wir uns heute erinnern. Und wir wollen weitermachen. Unsere K\u00e4mpfe h\u00f6ren nicht auf, weder w\u00e4hrend der Corona-Pandemie noch danach. Wir werden weitermachen und wir werden unsere Phantasie und Kreativit\u00e4t nicht einsperren lassen, sondern sie nutzen um neue Formen des Protestes und Widerstandes zu erproben. Dazu ermutigt uns der 1. Mai und der Gedanke an die vielen, die vor uns gek\u00e4mpft haben und die vielen, die heute mit uns k\u00e4mpfen, in allen Teilen der Welt.<\/p>\n<p>Hoch die internationale Solidarit\u00e4t! <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute ist der 1. Mai, ein wichtiges Datum f\u00fcr viele Menschen, die sich den K\u00e4mpfen um Gerechtigkeit, gegen Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung verpflichtet f\u00fchlen. Und wie an jedem 1. 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